Felmayergarten

Nach neuersten Erkenntnissen dürfte Franz Felmayer, Besitzer der damaligen Altkettenhofer Stoffdruckerei, im Jahr 1886 auf den Äckern gegenüber seiner Fabrik in der Himberger Straße (heute Nr. 26) einen kleinen Gutshof mit drei Gebäuden, ein Wohnhaus für die Landarbeiter, ein Haus für Kuh-, Schweine- und Hühnerställe und einen Stadel errichtet haben. Rundum wurden Obst- und Gemüsegärten angelegt und ein Glashaus für Gemüse und Blumen gebaut. Ein Großteil des Gartens wurde von einem Kunstgärtner gestaltet. In die rückseitige Parkanlage ließ Felmayer ein aus Holz erbautes Sommerhäuschen („Salettl“) stellen. Der neuerrichtete kleine Gutshof belieferte in den nächsten Jahrzehnten die Fabrikantenfamilie mit Fleisch, Milch, Eiern, Obst, Gemüse und Kräutern. Die gepflegte Gartenanlage diente ihr zur Erholung.

Die Nachfahren der Familie Felmayer schlossen die Fabrik im Jahr 1967. Das als „Felmayergarten“ bezeichnete Grundstück wurde zwanzig Jahre hindurch an verschiedene Interessenten verpachtet. Der letzte Pächter betrieb auf dem Anwesen einen Reitstall.

Im Februar des Jahres 1987 beschloss der Schwechater Gemeinderat den Ankauf des Felmayergartens zur Errichtung eines Naherholungs- und Kulturzentrums für die Schwechater Bevölkerung. Für die Grünraumgestaltung des rund sechs Hektar großen Areals wurde im Juni ein Wettbewerb ausgeschrieben, zu dem fünf Projektplanungen einlangten. Im Juni 1988 vergab ein Preisgericht den 1. Preis an die Wiener Architekten Dipl. Ing. Roman Ivancics und Dipl. Ing. Cordula Loidl. Die Arbeiten zur 1. Ausbaustufe wurden im Oktober 1989 aufgenommen und konnten im Dezember 1990 abgeschlossen werden.

Im Herbst 1991 wurde nach den Plänen der Architektengruppe Scheifinger, Lautner und Szedenik mit der Restaurierung der bestehenden Gebäude des ehemaligen Gutshofes begonnen. 
Der Gebäudekomplex besteht aus drei Bauten: Das von der Himberger Straße aus gesehene, linke Gebäude beherbergt seit der Sanierung ein Restaurant und das Neue Museum Schwechat. Das mittlere Gebäude („Scheune“), der ehemalige Stadel, wird hauptsächlich für kulturelle Veranstaltungen benützt. Das rechte Gebäude beherbergte unter anderem während des Rathaus-Neubaues von 1997 bis 1999 das Schwechater Standesamt. Die Räume werden nun Seminar- und Turnräume vermietet.

In der großen, gartenarchitektonisch gestalteten Grünfläche im vorderen Teil wurde ein künstlich geschaffenes kleines Gerinne mit einem Teich angelegt und dahinter ein Gradierwerk errichtet. Der rückwärtige Teil des Gartens wurde unter Einbeziehung des ursprünglichen Baum- und Strauchbestandes gartenkünstlerisch, aber dennoch naturnah, gestaltet, wobei die große Wiesenfläche als Spielwiese miteingeplant wurde.
 

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